Schmerzensgeld bei Spätfolgen eines Schleudertraumas

Schleudertraumata nach Unfall

Schleudertraumata gehören zu den häufigsten Verletzungen, die man bei einem Verkehrsunfall erleiden kann. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome glücklicherweise bereits nach wenigen Wochen vollständig. Doch mit ein bisschen Pech verfolgen Sie die Nachwirkungen eines Schleudertraumas für mehrere Monate oder sogar Jahre. Dabei können sich die Langzeitfolgen stark auf das Schmerzensgeld auswirken.

Was ist ein Schleudertrauma?

Ein Schleudertrauma, auch Peitschenschlagsyndrom, HWS-Distorsion, HWS-Zerrung oder HWS-Syndrom genannt, entsteht, wenn durch einen Aufprall große Beschleunigungskräfte auf die Halswirbel und das stützende Gewebe um die Halswirbel einwirken.

Folge hiervon sind in der Regel

  • Verspannungen,
  • Einschränkungen der Rotationsbeweglichkeit,
  • Zug- und Kopfschmerzen.

 

In manchen Fällen kommen noch

  • Schwindel,
  • Benommenheit und
  • Aufmerksamkeitsstörungen


hinzu, wenn bei einem Aufprall auch der Kopf geschleudert wurde.

Im Regelfall lässt sich ein Schleudertrauma (nur) durch ein Röntgenbild nachweisen. Wenn aufgrund mangelnder Indizierung ein Röntgenbild nicht veranlasst wird, kann eine HWS-Distorsion auch durch Anamnese bei dem behandelnden Arzt diagnostiziert werden, wobei der Beweiswert stark eingeschränkt ist. 

 

Welche Spätfolgen sind möglich?

Das Schleudertrauma tritt zumeist direkt nach dem Auffahrunfall oder innerhalb von wenigen Tagen nach dem Unfall auf, und heilt dann über einen Zeitraum von wenigen Wochen ab. Zur Stabilisierung wird in manchen Fällen eine Halskrause als Therapiemaßnahme verordnet.

Wenn die Symptome sich auch nach mehreren Wochen nicht verbessern, spricht man von einem sogenannten „Late-Whiplash-Syndrome“. Dabei bleiben nicht nur die von Anfang an bestehenden Symptome des Schleudertraumas bestehen, es können sogar noch weitere Krankheitsbilder auftauchen.

Dazu gehören beispielsweise

  • dauerhafte Gleichgewichtsstörungen,
  • Tinnitus oder
  • andauernde Konzentrationsstörungen.

 

In manchen Fällen sehen Verletzte für längerer Zeit Flimmerbewegungen. Dies lässt auch den Rückschluss auf eine Belastung der zerebralen Bereiche zu.   

 

Wie wirken sich die Spätfolgen auf ein Schmerzensgeld aus?

Das Schmerzensgeld ist ein immaterieller Schadensersatz, der nach § 253 BGB bei erlittenen Körperverletzungen und Gesundheitsbeeinträchtigungen gezahlt wird. Dabei besitzt das Schmerzensgeld eine Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion.

Natürlich können durch Geldzahlungen körperliche Schmerzen und Gesundheitsschäden nicht beseitigt werden, jedoch soll der Vermögensvorteil eine Genugtuung für das Opfer bedeuten. Damit das Schmerzensgeld seiner Funktion gerecht wird, muss es angemessen sein.

Je schwerer eine Verletzung, desto höher fällt das Schmerzensgeld aus.

Auch wenn sich die Berechnung des Schmerzensgeldes häufig kompliziert gestaltet, gibt es Faktoren, die sich immer schmerzensgelderhöhend auswirken. Hierzu gehört auch die Verletzungsdauer. Insbesondere dauerhafte Schäden müssen in die Berechnung miteinbezogen werden. Wenn es zu Spätfolgen einer HWS-Distorsion kommt, leiden Sie länger unter der Verletzung. Somit steht Ihnen auch ein höheres Schmerzensgeld zu.

 

Wie erhalte ich ein höheres Schmerzensgeld?

Grundsätzlich beginnt die Schadenregulierung eines Verkehrsunfalls mit der Sekunde, in der Sie verletzt worden sind. Zuerst muss in solchen Fällen zunächst eine Diagnose durch den Arzt gestellt werden, mittels dieser Sie dann gegenüber der gegnerischen Versicherung einen Schmerzensgeldanspruch nachweisen können.

Sollte die Versicherung bereits ein Schmerzensgeld für das Schleudertrauma nach dem Autounfall gezahlt haben, führt dies nicht dazu, dass Sie Ihren Schmerzensgeldanspruch verlieren. Sollten sich Ihre Verletzungen dauerhaft negativ auf Ihre Befindlichkeit auswirken, können Sie auch nach einer bereits erfolgten Schmerzensgeldzahlung von der gegnerischen Versicherung nachfordern.

Hierzu bedarf es zumeist sogenannten ergänzenden Arztberichten, die die Spätfolgen genau darlegen. So können Sie sich beispielsweise von Ihrem Arzt die Langzeitfolgen attestieren zu lassen. Dabei von Relevanz sind Art, Umfang, Intensität und Kausalität der Langzeitfolgen. 

Ausnahmen können dann bestehen, wenn Sie eine Abfindung angenommen haben. Bei einer Abfindung wird Ihnen ein Betrag unter der Prämisse gezahlt, dass damit sämtliche Schäden aus dem Schadensvorfall als abgegolten gelten. Selbst wenn sich danach Spätfolgen zeigen, die auch nachweisbar auf dem Schadensfall beruhen, ist eine Nachforderung ausgeschlossen.

Schmerzensgeld bei Arbeitsunfähigkeit erhalten? Das wichtigste zu dem Thema erfahren Sie in diesem Beitrag

5. Welche Schmerzensgelder werden  gezahlt?

Um einen Schmerzensgeldanspruch zu beziffern, greifen Versicherungen und Juristen im Regelfall auf Schmerzensgeldtabellen zurück. Dabei handelt es sich um Urteilssammlungen, die sich mit der angemessenen Höhe von Schmerzensgeldern bei differenzierten Verletzungsbildern auseinandersetzen. 

Für eine unkomplizierte, leichte HWS-Distorsion wird im Regelfall zwischen 200,00 € und 300,00 € gezahlt. Wenn es zu Spätfolgen kam, wurde von Gerichten schon folgende Zahlungen für angemessen erachtet:

7.559,80 € LG München, 14.12.1983

HWS-Syndrom, schweres (hier: HWS-Syndrom, “das beträchtlich von den üblichen leichten und mittelschweren …abweicht”). Einschränkung der HWS-Rotation nach rechts um 1/4, nach links endgradig. 2 Jahre später: Instabilitäten der Segmente C 4-5 und 5-6.

7.410,21 € OLG Saarbrücken, 28.06.2005

HWS-Syndrom, schweres: HWS-Distorsion mit starken Kopfschmerzen und einem dauerhaften Schwindelattacken

7.375,63 € AG Wilhelmshaven, 11.10.1994

HWS-Syndrom mit “dauerhaften psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen, die sich vor allem in Kopfschmerzen, Antriebsarmut und geringer Belastbarkeit sowie einer Wesensveränderung ausdrücken”.

7.247,96 € OLG Hamm, 25.10.1995

HWS-Syndrom mit Überdehnung des Kapselbandapparates [Kapselbandüberdehnung] im Segment C-3/C-4 der Wirbelsäule. Dadurch bedingt kommt es auch “heute noch” zu “Schmerzen bei Kopfbewegungen in den Endlagen”.

4.420,24 € OLG Koblenz, 18.04.2005

HWS-Syndrom mit behaupteten Folgen von Taubheitsgefühlen an den linken Gliedmaßen und psychische Beeinträchtigungen.

3.779,90 € LG Gießen, 07.09.1983

HWS-Syndrom mit der Folge von andauernden Konzentrationsstörungen und intensiven Kopfschmerzen und Gleichgewichtstörungen; Knieverletzung (hier: Knieprellungen mit Innenbanddehnung).

1.892,63 € LG Flensburg, 26.01.1993

Das Schleudertrauma sei “ausgeheilt”, es sei jedoch festzustellen, dass die Verletzung auch nach 6 Jahren “noch nicht schmerzfrei ist und jedenfalls die Schmerzen auch – wenn auch nur geringfügig – auf den Unfall mit zurückzuführen seien”.

Es zeigt sich also deutlich, dass sich Spätfolgen und Dauerschäden erheblich auf Ihren Schmerzensgeldanspruch auswirken können. Es bietet sich immer an, diese Folgen zu dokumentieren und geltend zu machen.

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